*hach* Es ist doch immer wieder schön auf seinen Beziehungsstatus reduziert zu werden.
Und langsam muss ich mich darüber mal auslassen.
Ich glaube, ich sollte aber im Vorraus noch erklären, dass ich in einem relativ konservativen christlichen Umfeld groß geworden bin. Bzw. eigentlich doch nicht. Von meiner Kindheit weiß ich kaum noch was. Meine Erinnerungen fangen so mit 15/16 an, als ich aus meinem Elternhaus ausgezogen bin und 500km weiter zu meinem Bruder gezogen bin. Die Gründe sind für dieses Thema unwichtig. Die Kirchengemeinde meiner Eltern war - soweit ich mich erinnern kann - ziemlich locker und frei. Bloss die Gemeinde meines Bruders, in der ich dann gelandet bin, war jedoch recht streng. Es geht gerade auch nicht darum, was genau die ganzen "Du sollst!" und "Du darfst nicht!" genau waren, oder was die Vor- und Nachteile der Gemeinde waren (es gibt wirklich beides!). Nur jetzt im Nachhinhein merke ich, wie sehr mich die Zeit in letzterer Gemeinde doch geprägt hat, eben weil das meine ersten bewussten Erinnerungen meines Lebens sind, aber auch weil die Einflüsse in der Pubertät nunmal prägend sind. Auch hier sei gut oder schlecht dahingestellt. Das ist einfach so ein kleiner und kurzer Ausflug in meine Hintergrundgeschichte, um doch vielleicht etwas mehr nachvollziehen zu können, warum ich so ticke. Ach, und als Vorwarnung, dieser Post wird sehr christlich angehaucht sein. Gott ist in letzter Zeit immer wichtiger in meinem Leben geworden und ich finde das eine sehr positive Entwicklung. Also, nicht wundern, warum ich plötzlich mit sehr frommen Phrasen, wie "Gott meine ganze Kraft und Energie geben", ankomme. Ich weiß zwar nicht, ob ich wirklich darauf eingehen werde, zumindest in meinem Kopfkonzept wird es darum gehen. Was das Schreibergebnis sein wird, kann ich jetzt noch nicht sagen.
Und um es nocheinmal klar zu stellen, ich möchte weder schlecht über meine alte Gemeinde reden, noch irgendwelche Vorurteile verbreiten. Ich möchte ganz sachlich, hoffentlich gelingt mir das, von meinen persönlichen Erfahrungen erzählen.
So. Viel Vor-Blabla, jetzt kanns ja losgehen.
Wie gesagt, ich habe das Gefühl, dass ich vor allem von Leuten aus meinem alten Umfeld und von meiner Familie einfach aufs Singledasein reduziert werde. Und es regt mich auf. Ich mein, bin ich wirklich nur die alleinstehende Frau? Gibts wirklich nichts anderes, was vielleicht besonders an mir ist? Wobei Singles in der heutigen Zeit ja schon gar nichts mehr besonderes ist. 2011 lebte mittlerweile jeder Fünfte allein (http://www.abendblatt.de/vermischtes/article2335551/Zahl-der-Singles-in-Deutschland-auf-dem-Hoechststand.html). Das sind 20%! (Ja, zugegebenermaßen sieht das in christlich-konservativen Kreisen etwas anders aus.) Meiner Meinung nach ist es heutzutage gar nichts außergewöhnliches mehr Single zu sein. Aber trotzdem fühle ich mich oft genau deswegen sozial geächtet. Okay, das ist jetzt ein ziemlich heftiger Ausdruck, aber im Endeffekt läuft es darauf hinaus!
(Ich werde im Nachfolgenden für die "Mitmenschen aus meinem alten Umfeld und meine weitläufige Familie und Verwandtschaft" mit dem Pronomen "Sie" umschreiben. Es ist eben einfacher. Und nicht so lang. Die Reaktionen meines Umfelds teilen sich nunmal in zwei Gruppen. Die Reaktionen von den Mitmenschen aus meinem alten Umfeld und meine weitläufige Familie und Verwandtschaft und die des ganzen Restes. Das ist schon fast unheimlich vorraussehbar.)
Okay. Ich bin also 25. Ich hatte noch nie einen festen Freund. Und ja, ich zeige in letzter Zeit viel öfter mal was von meiner komplizierten und komplexen Persönlichkeit. Das ist auch nicht einfach. Weder für Sie noch für mich. Dadurch bin ich unangenehmer, nicht mehr so überangepasst und auch etwas aufmüpfig. Es ist fast so, als pubertiere ich viel zu spät und werde erst jetzt erwachsen. Das bringt Sie doch zum Nachdenken. Was stimmt bloss nicht mit der? Die ist doch nicht ganz normal! Wie kann man nur so verkorkst sein? Wie schlimm muss die sein, damit sie keiner heiraten will?
Der Vorstellung einer guten Frau ist, dass sie sobald sie 18/19 ist, eine KKK-Frau wird. Kirche, Kinder, Küche. Und dementsprechend wählt man auch seine Ausbildung. Studium ist doch sowieso nur Zeitverschwendung. Am besten wird man Krankenschwester oder Arzthelferin (Verzeihung, mir fallen gerade die neudeutschen und politisch korrekten Bezeichnungen dafür nicht ein.). Denn das ist schön praktisch, man kann es in der Kindererziehung sehr gut gebrauchen, man wird intelektuell nicht arg herausgefordert, dafür werden die sozialen Kompetenzen sehr gut trainiert. Hat also nur Vorteile!
Wobei ich diese Vorstellung für dumm halte. Ganz ehrlich, wer in seinem Leben keine anderen Ziele hat, als jung zu heiraten und Kinder zu bekommen, der sollte es eher nicht tun. Es gibt solche Frauen, die wirklich dazu berufen sind und dann ist es ein Fehler es nicht zu tun, aber zur Zeit denke ich, dass die eher in der Minderheit sind. Wir als Frauen haben heutzutage endlich so viele Möglichkeiten und Potential die Welt zu verändern und zu verbessern, aber statt dessen verschanzen wir uns hintern Herd in unsere kleine Kuschelwelt. Aber was tun wir dann, wenn die Kinder dann aus dem Haus sind, wir keine Ausbildung haben und durch den ganzen Erziehungsstress unserer glorreichen Zukunft uns so von unserem Partner entfernt haben, dass wir noch nicht mal mehr darüber reden können, wie es uns gerade wirklich geht und was uns beschäftigt? Das wäre eine perfekte Grundlage für eine ausgewachsene Midlifecrisis. Mal ganz davon abgesehen, wenn wir selber keine Träume, Ziele, Perspektiven und Persönlichkeit haben, da wir uns nicht die Zeit genommen haben diese zu entwickeln, weil wir zu sehr mit Heiraten und Kinderkriegen beschäftigt waren, was geben wir dann eigentlich an unsere Kinder weiter? Wie sollen wir denen dann helfen ein verantwortungsbewusster Erwachsener zu werden, wenn wir das selber nicht hinkriegen? Wie können wir denen ein gutes Vorbild sein?
Aber zurück zum Singledasein. Ist eine pseudoglückliche Familie wirklich alles? Hat das Leben nicht mehr zu bieten? Ist es wirklich ein Traum oder doch eher ein Alptraum unter der Haube zu sein, bevor man überhaupt die Zeit und Freiheit hatte eine eigene Persönlichkeit zu entwickeln?
Wo bleibe ich als Person in dem ganzen? Mit meinen Wünschen, Gaben, Einzigartigkeiten und Bestimmung?
Ich möchte auch gar nicht sagen, dass Ehe und Familie sehr viel ätzender ist als das Singlesein. Es gibt wirklich kein Richtig und kein Falsch! Weder Ehe noch Single ist der einzige richtige Weg. Es gibt nur ein Anders. Es hat beides sehr viele Vorteile, aber auch sehr viele Nachteile. Und nur weil Singles anders leben und andere Prioritäten haben, bedeutet das noch lange nicht, dass man sein Leben nicht auf die Reihe kriegt und ein völliger Versager ist, weil man mit 25 immer noch nicht verheiratet ist.
Sehr lange Zeit hasste ich Hochzeiten. Es war einfach grausam jedes Jahr aud durchschnittlich drei bis vier Hochzeiten zu sein. Alleine als Gast zu sein. Und dann die mitleidigen Blicke. Die Kupplungsversuche. Das Getuschel. Und dann die Traupredigt. "Es ist nicht gut, dass der Mensch alleine ist." "Wer eine Frau gefunden hat, hat etwas gutes Gefunden." "Sieh an, das Brautpaar hat endlich seine bessere Hälfte gefunden." "Ist es nicht süß, wie sie sich gegenseitig vervollständigen?" "Da kommen mal niedliche Kinder." "Wurde aber auch Zeit, dass die beiden endlich heiraten, er ist ja schon 23!" "Und Gott schuf Eva. Sie war Adams Gegenstück. Seine Gehilfin. Ohne ihr fehlte ihm etwas." "Seid fruchtbar und mehret euch!"
Ernsthaft?!? Bin ich jetzt falsch, weil ich noch alleine bin? Bin ich jetzt nicht gut, weil ich alleine bin? Bin ich nur ein halber Mensch, weil ich keine bessere Hälfte gefunden habe? Bin ich zu egoistisch, um mein Leben mit meinem "Seelenpartner" zu teilen? Finde ich Kinder doof und will mich deswegen möglicherweise gar nicht vermehren? Was für ein furchtbarer und anspruchsvoller Mensch muss ich sein, damit ich mit 25 immer noch niemanden gefunden habe, mit dem ich den Rest meines Lebens verbringen möchte?
Bin ich wirklich so ein schlechter Mensch, so eine totale Fehlkonstruktion?
Ich möchte nicht alles auf Sie schieben. Die Gesellschaft macht es einem auch nicht einfach. Ich werde andauernd von meinen Arbeitskollegen komisch angeschaut, wenn ich den erzähle, dass ich noch nie einen Freund hatte. Man muss ja nicht unbedingt gleich verheiratet sein, aber zumindest einen Freund haben. Hollywood erzählt mittlerweile ja auch nur noch, dass man als Single hoffnungslos gescheitert ist und dass eine fest Beziehung DER Schlüssel zum glücklichsein und zum Happy End ist. Ich rege mich öfter darüber auf, dass so mancher nur in einer Beziehung ist, damit er nicht sagen muss, dass er Single ist. Die Frau mag ja nett sein. Aber so richtig was dauerhaftes ist es sowieso nicht. Aber Hauptsache man hat eine Freundin.
Naja, aber wenn man so aufgewachsen ist, so geprägt worden ist, fällt es nun mal schwer sich einzugestehen, dass es auch andere Möglichkeiten gibt glücklich zu werden. Oder dass es nicht unbedingt die oberste Prorität im Leben hat. Bei manchen Leuten habe ich das Gefühl, als ob sie Erfolg durch gut erzogene Kinder und Reichtum definieren. Ganz nach dem Motto: "Mein Haus, mein Auto, meine hochintelligenten Kinder." Da ich aber beides - Reichtum und Kinder - nicht habe, bin ich zwangsläufig das Letzte. Schlecht erzogen, gestört, sozial unkompetent, unerfüllt und natürlich unglücklich.
Das wirft doch aber nur noch mehr Fragen auf! Kann ich erst glücklich werden, wenn ich endlich verheiratet bin? Kann ich nur ein gottgefälliges Leben leben, wenn ich endlich gezähmt unter der Haube stecke? Kann sich mein Charakter nur veränder, wenn ich mit jemandem ein Bett teile und dadurch in "Gottes Intensivtonwerkstatt" bin, wo er mich nur durch die Hilfe meines Ehepartners und den dadurch resultierenden Konflikten zu der Person verändern kann, die ich eigentlich sein sollte? Ist die Zeit, die ich in der "Wartezone" verbringe nicht lebenswert?
Das macht mich unglaublich wütend! Ein Ehepartner ist nicht das Ticket zum Glücklichsein! Ein Ehepartner ist nicht die Lösung aller Probleme! Ein Ehepartner macht mich nicht zu einer ganzen Person! Eine Ehe ist nicht das Ziel des Lebens!!
Wenn ich mein Leben jetzt nicht auf die Reihe bekomme, wird ein Partner daran nichts ändern. Wenn ich mich jetzt hasse, wird mein Partner auch nichts daran ändern können. Wenn ich jetzt Probleme mit meiner Familie und Freunden habe, werden die sich nicht in Luft auflösen, nur weil ich plötzlich ein Ring am Finger habe. Wenn ich jetzt todunglücklich und depressiv bin, wird mein Partner auf Dauer auch nichts ändern können.
Mein Glück muss einen anderen Grund haben. Etwas, das nicht abhängig von dem Ring, vom Wetter, von der aktuellen Politik, von meiner Gesundheit oder sonst was ist. Sonst bleibt das Leben ein unbeständiges Auf und Ab, das bei jedem kleinsten Windstoß und Widerstand umkippt.
Okay, und jetzt kommt die Predigt.
Die Lösung ist nunmal nicht eine Hochzeit, sondern eine lebendige Beziehung zu dem einzig lebendigen Gott. Denn der ändert sich nie. Der ist die Beständigkeit, die rote Linie, der einzige Halt im Leben. Die Welt ändert sich, das Umfeld ändert sich, ich selber ändere mich (und das ist auch sehr gut so!), aber Gott war und ist und wird immer der Gleiche sein. Und den Lebensinn und das Glück, das ich in ihm gefunden habe, ist überhaupt nicht abhängig von den äußeren Umständen.
Das ist das wichtigste. Und solange ich die Beziehung zu Gott nicht auf die Reihe bekomme, sollte ich den Rest lieber hinten anstellen.
Diese Beziehung ist aber kein Rundum-Sorglos-Paket. Das Leben ist an sich genauso scheiße wie vorher. Nur habe ich jetzt die Hoffnung, dass die Welt nicht untergeht, nur weil ich wieder was verbockt habe. Ich weiß auch ganz genau, dass ich es nicht alleine auf die Reihe kriegen muss, sondern göttliche Hilfe habe. Trotz allem können Beziehungen kaputt gehen. Trotz dieser Beziehung kann ich meine Familie zerstören. Trotz allem bin ich genauso menschlich und fehlerhaft wie alle anderen Menschen in dieser kaputten Welt.
Ähm. Jetzt bin ich vor lauter predigen vom Thema abgekommen.
Was ich mit diesem Post sagen will. Kupplungsversuche sind zum kotzen, aber überlebbar. Aber diese Vorstellungen und Erwartungen die von Denen an mich ran getragen werden, die tun manchmal richtig weh. Vor allem, weil Sie mich gar nicht kennen. Und überhaupt keine Ahnung haben, was bei mir gerade los ist und was mir gerade hilft und was mich zutiefst betrübt und verletzt.
Ja, ich möchte eines Tages heiraten. Und ganz viele Kinder bekommen, die hoffentlich genauso anders sind wie ich. Aber zur Zeit ist das eine nicht ganz so kluge Idee. Ich will und werde nicht perfekt sein, wenn ich dann endlich den Mann meiner Träume treffe, aber ich sollte einige Dinge vorher klären und beiseite räumen, weil die eine Beziehung unnötig belasten würde. Das tun diese Dinge jetzt schon in den Beziehungen mit Freunden und Familie. Vielleicht bin ich ja besonders gestört, aber ich bin nicht falsch und vor allem kein Fehler, nur weil ich bis jetzt nicht dem superheiligen Standard eines gut erzogenen Mädchens entspreche!! Vor mir liegt nur mein Weg. Und nicht der Weg, den mir andere gerne vorschreiben würden.
Vielleicht nehme ich mir auch zu viel vor. Ich weiß nicht genau, ob man je bereit für eine Beziehung ist. Aber selbst wenn dieser Aspekt nicht wäre, wäre ich vermutlich immer noch nicht verheiratet. Ich hatte bis zwar jetzt eine große Auswahl. Zugegebermaßen. Aber dann meistens von dem gleichen Typ Mann. Ich will aber etwas anderes. Vielleicht bin ich anspruchsvoll. Meiner Meinung nach ist das aber eine doofe Entschuldigung, seine Ansprüche runterzuschrauben, nur weil die Zeit drängt. Und dann bis dass der Tod uns scheidet mit den Wenns und Hättes leben zu müssen.
Und ganz nebenbei ist mein Leben als Single viel zu voll, als dass ich mich Hals über Kopf in eine Partnersuche stürzen könnte.Außerdem bin ich noch nicht so belastbar, wie ich sein wollte, also muss ich genau abwägen, was ich mache und was ich verschiebe und was ich verneine. Das ist ein schwieriger Prozess für mich, weil ich nun mal echt gerne helfe und eher ein Anpacker als Stuhlkreisquatscher bin. Bloss frage ich mich dann abends, warum ich so fertig bin oder werfe mir vor, warum ich schon wieder ja gesagt habe, obwohl mein Kopf oder Rücken nein sagen wollte.
Ich kenne da so Mädels, deren erstes und einziges Thema Partnersuche und Hochzeit ist. Das ist nervig. Die sind auch zu nichts anderes zu gebrauchen. Ich kann damit nichts anfangen. Also, nicht dass meine Hochzeit schon seit Jahrzehnten mit einigen Änderungen fest steht. Irgendwie bin ich doch ein wenig Mädchen. Bloss habe ich einen Vollzeitjob, Freunde, Orchester, Gemeinde, Hobbys und zu schnell gelangweilt, als dass ich immer den gleichen Mist wiederkaue. Und ganz ehrlich, wie sähen die einzelnen Bereiche ohne Singles aus? Ich habe jetzt die einzigartige Möglichkeit alles mögliche auszuprobieren, alles mögliche zu bereisen und mehr oder weniger mich überall zu engagieren, weil ich meinen Terminplan nicht um eine andere Person herumorganisieren muss oder will. Ich habe einfach die Zeit. Und das ist auch gut und gesund so! Wenn ein Familienvater so einen Terminplan wie ich hätte, würde ich mir Gedanken um ihn und seine Beziehungen machen. Alles hat seine Zeit und jedes Vorhaben seine Stunde. Aber bis es bei mir soweit ist, habe ich keine Lust in der Wartezeit von Jugendgottesdiensten über Singlefreizeiten zu Internetcommunitys zu eilen. Und Gott wird für den Richtigen sorgen. (Ich möchte auch anmerken, dass es auch nicht nur den EINEN Richtigen
gibt. Das wäre total bescheuert. Wenn sich nur eine Person auf der Welt
"falsch" entschiede und nicht DEN Richtigen nähme, sondern einen anderen, käme das ganze Gleichgewicht auf der Erde durcheinander. Dazu ist Gott viel zu sehr ein Gott der zweiten Chance. So ist er nun mal. Und
unheimlich geduldig. Der gibt nicht auf, keine Angst! Egal wie viele Richtige du ablehnst.) Wenn also ich von mir aus etwas an den Haaren herbeiziehe, geht es doch eh in die Hose. Dann lasse ich es lieber ihn machen, der kann es sowieso viel besser und da hat einen ganz anderen Überblick auf die ganzen Möglichkeiten. Und solange genieße ich mein Leben so gut es geht. Mit vollem Terminplan und Engagement, anstatt in der Ecke zu heulen, weil ich eine "alte" Jungfer bin.
So ist es eben zur Zeit. Ich arbeite daran. Aber jetzt gerade bin ich 25 Jahre alt, Single und glücklich damit.
(Es tut mir echt leid, dass der Post so lange geworden ist. Ich bin im kürzen und kurz halten nicht so gut. Habe ich oben ja schon mal erwähnt. Aber es musste echt raus. Wenns euch langweilt, geht heulen. Oder fragt mal die nächste Person, mir der du redest, wie es ihr wirklich geht, ohne dich mit dem meistens nicht so ganz der Wahrheit entsprechendem "Gut" zufrieden stellen zu lassen. Das wäre sinnvoller, als sich meine ganze Gedankenwelt anzutun... ;) )
Xtine´s Blog
Aus dem Leben eines Helden
24. Juli 2014
17. Februar 2014
Erwachsene...
Erwachsene sind doch langweilig.
Sie sehen in einer Pfütze nur den Beweis, dass es schon wieder geregnet hat und nicht die einmalige Gelegenheit lachend reinzuspringen.
Sie sehen nur die Lichtbrechnung durch unzählige Regentropfenprismen und keinen Regenbogen.
Manchmal sehen sie auch die pinken Abgasstreifen der Flugzeuge im Sonnenuntergangslicht und keine Einhörner.
Oder nur den grauen Wolkenschleier und keine Sonne dahinter.
Das Gesicht ist auch nur für ernste Mimik und ein dämliches Höflichkeitslächeln. Blödsinnige Grimassen sind was für den Clown im Zirkus.
Und Musik ist mittlerweile auch nur noch ein Hintergrundsgedudel, um die unheimliche Stille zu füllen, die sich in den lauten Städten breitgemacht hat, eine Abfolge von vorraussehbaren Akkorden und Intervallen und bloss nicht länger als drei Minuten, weil sie dann den Faden verlieren und nicht mehr zuhören können, anstatt sich darin zu verlieren und das eigene buntes Kopfkino zu kreieren, das völlig der (bekannten) Intention den Komponisten widerspricht.
Die Gänseblümchen auf dem Rasen sind Mitte Februar kein Wunder, bloss die lästige Klimaerwärmung, die sie dazu bringt die Unkrautvernichtungsmaßnahmen auf elf Monate im Jahr auszudehnen, um den spießig gepflegten 5-cm-Grünteppich zu wahren.
So langweilig!
Und manchmal ist die Lösung nur ein Perspektivenwechsel entfernt.
Sie sehen in einer Pfütze nur den Beweis, dass es schon wieder geregnet hat und nicht die einmalige Gelegenheit lachend reinzuspringen.
Sie sehen nur die Lichtbrechnung durch unzählige Regentropfenprismen und keinen Regenbogen.
Manchmal sehen sie auch die pinken Abgasstreifen der Flugzeuge im Sonnenuntergangslicht und keine Einhörner.
Oder nur den grauen Wolkenschleier und keine Sonne dahinter.
Das Gesicht ist auch nur für ernste Mimik und ein dämliches Höflichkeitslächeln. Blödsinnige Grimassen sind was für den Clown im Zirkus.
Und Musik ist mittlerweile auch nur noch ein Hintergrundsgedudel, um die unheimliche Stille zu füllen, die sich in den lauten Städten breitgemacht hat, eine Abfolge von vorraussehbaren Akkorden und Intervallen und bloss nicht länger als drei Minuten, weil sie dann den Faden verlieren und nicht mehr zuhören können, anstatt sich darin zu verlieren und das eigene buntes Kopfkino zu kreieren, das völlig der (bekannten) Intention den Komponisten widerspricht.
Die Gänseblümchen auf dem Rasen sind Mitte Februar kein Wunder, bloss die lästige Klimaerwärmung, die sie dazu bringt die Unkrautvernichtungsmaßnahmen auf elf Monate im Jahr auszudehnen, um den spießig gepflegten 5-cm-Grünteppich zu wahren.
So langweilig!
Und manchmal ist die Lösung nur ein Perspektivenwechsel entfernt.
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3. September 2013
Die "Fahrrad"-Stadt Freiburg
Ja. Es stimmt wirklich. Freiburgs Fahrradfahrer sind asozial.
Aber die Autofahrer und Fußgänger mindestens genauso.
Und dafür gibt es eigentlich auch eine recht einfache Erklärung. Freiburg hat nunmal viele Einwohner. Und da die Bevölkerungsdichte nun mal größer ist, als auf dem Land, ist es sehr logisch, dass man da auch sehr viel häufiger auf asoziale Mitbürger (im Nachfolgenden "Assis" gennant) trifft. Selbst wenn die Assi-Dichte genauso hoch ist, wie auf dem Land. Das ist nun einmal wirklich sehr logisch. Ich kann auch nichts dafür.
Vielleicht wird hier in Freiburg aber auch nur auf Fahrradfahrer geschimpft, weil sich Freiburg eben Fahrradstadt nennt. Und da fällt die Aufmerksamkeit auch auf ebendie. Ich mein, das Ruhrgebiet hat auch alle möglichen Spitznamen. Darunter auch sehr viele, die den Wortteil "Mini-" oder "Klein-" und dann die Hauptstadt eines anderen Staates dieser Welt enthalten, z.B. Mini-Moskau oder Klein-Istanbul. Tut mir leid, aber dann fallen mir unsere ausländischen Mitbürger besonders auf. Was ist also mit diesem Abschnitt sagen will, Freiburg ist ein nettes, großes Dorf, ähnlich den anderen großen Dörfern dieses Landes. Dass hier die Fahrradfahrer besonders asozial sind, ist Vertuschung oder schlichtweg Irrsinn.
Wobei ich zugeben muss, ich kenne nur Freiburg, zwei süße Städtchen etwas außerhalb von Freiburg und das Ruhrgebiet mit dem Stand von 2005. Das sind nicht gerade optimale Vergleichsmöglichkeiten. Die Städchen und der Pott jeweils mit einigen kleinen ausgewählten Updates. Freiburg ist jedoch sehr aktuell. Auch wenn ich mich gerade frage, wie sicher es ist, im größen weltweiten Web zu schreiben, dass ich in Freiburg wohne. Aber wie soll ich sonst meine Glaubwürdigkeit und Seriösität beweisen?
Wie auch immer, seit drei Jahren und einem zerquetschtem Monat wohne ich in Freiburg. Ich bin nur auf dem Fahhrad unterwegs. Die Außnahmen sind Straßenbahn und Auto, was durchschnittlich sechs mal im Jahr vorkommt. Grob übern Daumen gepeilt. Selbst zu diversen Musikaktivitäten bin ich mit Madita unterwegs. Mit Artistino. Und es geht wirklich! Ich habe irgendwann beschlossen, dass ich StraBa (das freiburgsche Wort für die Straßenbahn) mit dem Cello nicht mag und das es dank der Rucksackgarnitur am Koffer doch möglich sein sollte, mit beiden Schatzis unterwegs zu sein. Auf diesem Weg konnte auch die Wasserdichtigkeit des Cellokoffers überprüft werden. Er ist ganz dicht. (Im Gegensatz zur Besitzerin...) Nunja, das Cello wird zwar bei jedem Tritt schwerer, aber das ist auch so, wenn ich damit in der Bahn stehe. Und dabei ecke ich überall an und muss mir das dumme Geschwätz der gemeinen Homo Sapiens anhören, die mein CELLO nun wirklich als Gitarre bezeichnen!!! Ist das zu fassen?!? Wie tief kann Deutschland eigentlich noch sinken?? Wie auch immer, auf dem Fahrrad höre ich das meistens nicht. Dafür ernte ich jede Menge erstaunter Blicke, die sich an meinem Marienkäfercellokasten ergötzen. Das tut doch jedem Ego gut! Die Blicke der Kinder sind immer noch am herrlichsten. So oft steht der Mund offen, die Sprache ist hinfort und die Augen weit aufgerissen - vor Schreck oder Bewunderung sei mal dahingestellt. (Ich habe übrigens das perfekte und unschlagbare Argument gefunden, mit dem man Kinder dazu überreden kann, Cello zu lernen und nicht Geige: "Hey, du bist doch schon so groß! Du brauchst ein großes Instrument! Geige ist was für kleine Weicheier." ... Überschwenglichen Dank für dieses Produkt meiner genial bekloppten Gehirnwindungen und die daraus folgende Schonung der Nerven aller nehme ich gerne entgegen.)
Wie auch immer. In einer Stadt der Größe Freiburgs ist man mit Fahhrad schlichtweg schneller als mit jedem anderen Transportmittel. Ich bin der Beweis. (Okay. Ich gebe aber auch zu, dass ich immer wie eine Irre durch die Straßen brettere. Das sind aber die Gene und es liegt in der Familie.) Ich habe eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 20km/h. Das ist eine enorme Leistung, wenn man bedenkt, dass man gefühlsmäßig alle 200m von einer Ampel gestoppt wird (Beispiel: 17 Ampeln auf einem Arbeitsweg von 6km. Und dabei habe ich schon die schnellste Strecke mit den wenigsten Ampeln aufgetüftelt) und dann wieder neu beschleunigen muss (und meine Körperfülle und allgemeine Unsportlichkeit außer Acht gelassen).
Meine Arbeitsweg und vor allem der Weg nach Hause sind der angenehmste Teil meiner Berufstätigkeit. Die Bewegung tut gut. Es ist interessant, wenn man sich darauf konzentriert die Atmung der Beintätigkeit anzupassen. Die Blumenfülle ist vor allem im Frühling überwältigend. Es ist einfach schön den Gedanken freien Lauf zu lassen, wenn man sich so durch die Stadt schlängelt. Es ist so angenehm und entspannend.
Zumindest, wenn man die menschlichen Lebewesen dabei nicht berücksichtigt. In letzter Zeit fällt mir so oft auf, wie sehr ich Assis verabscheue und sowas von überhaupt nicht ausstehen kann. Ich kann es einfach nicht nachvollziehen, wenn man sich asozial verhält. Egal, wo. Egal, ob in der Familie, auf dem Arbeitsplatz oder im Straßenbverkehr. Ich kann es partout nicht verstehen. Und ich weiß nicht, woran es liegt. Liegt es an meiner Erziehung? An meinen Genen? An meinen Verhaltensweisen? An meinem gestörten Selbstbild? An meiner perfektionierten Rücksichtsnahme? Ich weiß es wirklich nicht.
Aber was ist bitte so schwer daran, auch mal an andere zu denken, als nur an den eigenen dicken Bauch? Ich verstehe es nicht, wenn man in einem Labor, wo man nicht alleine ist und jeder auf den anderen angewiesen ist, sein benutztes Zeugs aufräumt oder wieder an den Platz zurück legt, damit der nächste nicht unnötig Zeit verschwendet, das Teil suchen zu müssen. Oder ich verstehe es nicht, wenn man sich als Fahrradfahrer an der Ampel vordrängelt und dann sehr langsam anfährt und einfach keine vernünftige Geschwindigkeit erreicht. Ich mein, man merkt es doch, wenn man langsam fährt. Wieso muss man sich dann unbedingt vordrängeln, als erster starten und dann aber alle anderen Fahrradfahrer zur Weißglut treiben, indem man den ganzen Verkehr mit einem Schneckentempo aufhalte?? Oder einfach mal am Rand vor sich hin radeln, anstelle als King of the Road in der Mitte und die anderen dumm anschnauzen, wenn die hinter einem klingeln und mich damit erschrecken, nur weil sie überholen wollen. Witzig dagegen sind die Möchtegerns. Die, die ein teures Fahrrad, evtl. sogar E-Bike, haben und dazu die passende Pampersradlerhose. Dazu die Ortlieb-Gepäckträgertasche, Fahrradschuhe, die natürlich in die Pedale einrasten, ein fancy Fahrradhelm und die Vaude-Gamaschen. Ja, aber dann mit 10km/h durch die Gegend tuckern. Die sind einfach lächerlich. Das sind die, die sich auch darüber streiten würden, ob eine Kanzel aus Fiberglas sein darf, oder ob es massives Zedernholz aus Israel sein muss. Um es mal zu überspitzen...
Was mich aber am meisten aufregt, also wirklich ankotzt und das, warüber ich mich ohne Vorbereitung von jetzt auf gleich in Rage reden kann: Fußgänger auf Radwegen. Ich verstehe es durch und durch nicht. Wie kann man nur so verdammt blöd sein?? Die Stadt Freiburg hat wirklich ein sehr gutes Radwegnetzt (verglichen mit dem Pott, Stand 2005). Und neben jedem Radweg ist ein Fußgängerweg. Wirklich neben jedem. Absolut jedem! Fühlt man sich besser, wenn man auf dem Radweg geht? Wie kann man nur so ignorant sein? Fußgänger sind die Pest in Form von Menschen. Es gibt nicht viel, was ich so sehr hasse. Es ist einfach nur unglaublich nervig!! Noch schlimmer als eine Mücke in einer schwülen Sommernacht, wenn man nach einem verdammt scheißen Tag endlich schlafen will. Ich vermute, meine Verärgerung ist sehr lächerlich und irrational, aber ich kann nichts dagegen tun. Ich habe es versucht. Ich hasse Assis. Vor allem, wenn es sich um gehende Assis auf Radwegen handelt. Man, es tut gut, das hier mal raus zu schreiben.
Und ich gebe auch zu. Ein Grund, warum ich den Winter so viel lieber mag, als jede andere Jahreszeit ist, dass im Winter viel mehr Assis und Weicheier auf Bus und Bahn und Auto umsteigen. Endlich kann man halbwegs vernüntig fahren, endlich findet man in der Stadt einen Stellplatz, endlich ist man nur von den gleichen harten Zeitgenossen umgeben und ja, endlich schwitzt man nicht schon nach einer Minute fahren, sondern erst nach sieben bis zehn Minuten, nachdem man es endlich geschafft hat, sich aufzuwärmen.
Selbst der Schnee ist hier kein Problem. Entweder ist man so früh unterwegs, dass man den Neuschnee erwischt, worauf man relativ gut fahren kann, oder der Radweg wurde schon geräumt. Ich bin ganz offiziell ein Schisshase, was Fahren auf Schnee und bei Glätte angeht, aber hier ist das wirklich gut machbar. Selbst für Schisshasen. Das hat die Stadt Freiburg meiner Meinung sehr gut im Griff! Und was kann man mehr von einer Stadt erwarten? Sie kann nichts gegen asoziale Assis machen, noch kann sie uns nicht zur Helmpflicht zwingen, also selber schuld, falls was passiert, aber sie kann Radwege einrichten und sie in Ordnung halten. Zumindest bei Schnee. Im Sommer legen andauernd Glasscherben rum. Leider kann die Stadt nicht jeden Tag die Radwege säubern. Das verstehe ich, aber macht mich aber nur wütender auf Assis. Wieso kann man seinen Müll nicht wegräumen, sondern muss unbedingt die Flasche auf der Straße oder auf dem Radweg zerbrechen?? Tja, Dummheit ist wirklich unendlich.
Wow. Und ich merke gerade, wie lang dieser Post geworden ist. Und eigentlich war es mehr ein geistiges Erbrechen auf Assis, als eine objektive Betrachtung der Radfahrrersituation in Freiburg. Oh, eines muss ich aber noch erwähnen. Etwas anderes, was mich letztens sehr positiv überrascht hat: ich bin letztens mit dem Zug in den Urlaub. Eigentlich war geplant mit der StraBa zum Bahnhof zu fahren. Ich habe es aber natürlich geschafft zu verschlafen, was darauf hinauslief, dass ich mit dem Fahrrad zum Bahnhof düsen musste, weil ich sonst den Zug verpasst hätte. Deshalb stand mein Schatz von Fahrrad, ohne das ich ausgesprochen aufheschnissen bin, eine ganze Woche lang unbeaufsichtigt am Freiburger Bahnhof. Mitten in den Schul- und Semesterferien, in denen lauter junge Menschen vor Langeweile auf dumme Gedanken kommen können. Aber als ich zurück kam, stand Madita da, als hätte ich sie erst vor einer halben Stunde da abgestellt. Noch nicht mal die Ventile wurden geklaut! Damit hatte ich echt nicht gerechnet. Von daher muss ich fairerweise noch sagen: Danke, liebe Assis, dass ihr bis jetzt mein Fahhrad in Ruhe gelassen habt. Das muss man euch echt lassen. Auch wenn ihr dringendst an eurem Verhalten auf Arbeit und im Straßenverkehr arbeiten müsst.
Offensichtlich gibt es doch noch Hoffnung!
Aber die Autofahrer und Fußgänger mindestens genauso.
Und dafür gibt es eigentlich auch eine recht einfache Erklärung. Freiburg hat nunmal viele Einwohner. Und da die Bevölkerungsdichte nun mal größer ist, als auf dem Land, ist es sehr logisch, dass man da auch sehr viel häufiger auf asoziale Mitbürger (im Nachfolgenden "Assis" gennant) trifft. Selbst wenn die Assi-Dichte genauso hoch ist, wie auf dem Land. Das ist nun einmal wirklich sehr logisch. Ich kann auch nichts dafür.
Vielleicht wird hier in Freiburg aber auch nur auf Fahrradfahrer geschimpft, weil sich Freiburg eben Fahrradstadt nennt. Und da fällt die Aufmerksamkeit auch auf ebendie. Ich mein, das Ruhrgebiet hat auch alle möglichen Spitznamen. Darunter auch sehr viele, die den Wortteil "Mini-" oder "Klein-" und dann die Hauptstadt eines anderen Staates dieser Welt enthalten, z.B. Mini-Moskau oder Klein-Istanbul. Tut mir leid, aber dann fallen mir unsere ausländischen Mitbürger besonders auf. Was ist also mit diesem Abschnitt sagen will, Freiburg ist ein nettes, großes Dorf, ähnlich den anderen großen Dörfern dieses Landes. Dass hier die Fahrradfahrer besonders asozial sind, ist Vertuschung oder schlichtweg Irrsinn.
Wobei ich zugeben muss, ich kenne nur Freiburg, zwei süße Städtchen etwas außerhalb von Freiburg und das Ruhrgebiet mit dem Stand von 2005. Das sind nicht gerade optimale Vergleichsmöglichkeiten. Die Städchen und der Pott jeweils mit einigen kleinen ausgewählten Updates. Freiburg ist jedoch sehr aktuell. Auch wenn ich mich gerade frage, wie sicher es ist, im größen weltweiten Web zu schreiben, dass ich in Freiburg wohne. Aber wie soll ich sonst meine Glaubwürdigkeit und Seriösität beweisen?
Wie auch immer, seit drei Jahren und einem zerquetschtem Monat wohne ich in Freiburg. Ich bin nur auf dem Fahhrad unterwegs. Die Außnahmen sind Straßenbahn und Auto, was durchschnittlich sechs mal im Jahr vorkommt. Grob übern Daumen gepeilt. Selbst zu diversen Musikaktivitäten bin ich mit Madita unterwegs. Mit Artistino. Und es geht wirklich! Ich habe irgendwann beschlossen, dass ich StraBa (das freiburgsche Wort für die Straßenbahn) mit dem Cello nicht mag und das es dank der Rucksackgarnitur am Koffer doch möglich sein sollte, mit beiden Schatzis unterwegs zu sein. Auf diesem Weg konnte auch die Wasserdichtigkeit des Cellokoffers überprüft werden. Er ist ganz dicht. (Im Gegensatz zur Besitzerin...) Nunja, das Cello wird zwar bei jedem Tritt schwerer, aber das ist auch so, wenn ich damit in der Bahn stehe. Und dabei ecke ich überall an und muss mir das dumme Geschwätz der gemeinen Homo Sapiens anhören, die mein CELLO nun wirklich als Gitarre bezeichnen!!! Ist das zu fassen?!? Wie tief kann Deutschland eigentlich noch sinken?? Wie auch immer, auf dem Fahrrad höre ich das meistens nicht. Dafür ernte ich jede Menge erstaunter Blicke, die sich an meinem Marienkäfercellokasten ergötzen. Das tut doch jedem Ego gut! Die Blicke der Kinder sind immer noch am herrlichsten. So oft steht der Mund offen, die Sprache ist hinfort und die Augen weit aufgerissen - vor Schreck oder Bewunderung sei mal dahingestellt. (Ich habe übrigens das perfekte und unschlagbare Argument gefunden, mit dem man Kinder dazu überreden kann, Cello zu lernen und nicht Geige: "Hey, du bist doch schon so groß! Du brauchst ein großes Instrument! Geige ist was für kleine Weicheier." ... Überschwenglichen Dank für dieses Produkt meiner genial bekloppten Gehirnwindungen und die daraus folgende Schonung der Nerven aller nehme ich gerne entgegen.)
Wie auch immer. In einer Stadt der Größe Freiburgs ist man mit Fahhrad schlichtweg schneller als mit jedem anderen Transportmittel. Ich bin der Beweis. (Okay. Ich gebe aber auch zu, dass ich immer wie eine Irre durch die Straßen brettere. Das sind aber die Gene und es liegt in der Familie.) Ich habe eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 20km/h. Das ist eine enorme Leistung, wenn man bedenkt, dass man gefühlsmäßig alle 200m von einer Ampel gestoppt wird (Beispiel: 17 Ampeln auf einem Arbeitsweg von 6km. Und dabei habe ich schon die schnellste Strecke mit den wenigsten Ampeln aufgetüftelt) und dann wieder neu beschleunigen muss (und meine Körperfülle und allgemeine Unsportlichkeit außer Acht gelassen).
Meine Arbeitsweg und vor allem der Weg nach Hause sind der angenehmste Teil meiner Berufstätigkeit. Die Bewegung tut gut. Es ist interessant, wenn man sich darauf konzentriert die Atmung der Beintätigkeit anzupassen. Die Blumenfülle ist vor allem im Frühling überwältigend. Es ist einfach schön den Gedanken freien Lauf zu lassen, wenn man sich so durch die Stadt schlängelt. Es ist so angenehm und entspannend.
Zumindest, wenn man die menschlichen Lebewesen dabei nicht berücksichtigt. In letzter Zeit fällt mir so oft auf, wie sehr ich Assis verabscheue und sowas von überhaupt nicht ausstehen kann. Ich kann es einfach nicht nachvollziehen, wenn man sich asozial verhält. Egal, wo. Egal, ob in der Familie, auf dem Arbeitsplatz oder im Straßenbverkehr. Ich kann es partout nicht verstehen. Und ich weiß nicht, woran es liegt. Liegt es an meiner Erziehung? An meinen Genen? An meinen Verhaltensweisen? An meinem gestörten Selbstbild? An meiner perfektionierten Rücksichtsnahme? Ich weiß es wirklich nicht.
Aber was ist bitte so schwer daran, auch mal an andere zu denken, als nur an den eigenen dicken Bauch? Ich verstehe es nicht, wenn man in einem Labor, wo man nicht alleine ist und jeder auf den anderen angewiesen ist, sein benutztes Zeugs aufräumt oder wieder an den Platz zurück legt, damit der nächste nicht unnötig Zeit verschwendet, das Teil suchen zu müssen. Oder ich verstehe es nicht, wenn man sich als Fahrradfahrer an der Ampel vordrängelt und dann sehr langsam anfährt und einfach keine vernünftige Geschwindigkeit erreicht. Ich mein, man merkt es doch, wenn man langsam fährt. Wieso muss man sich dann unbedingt vordrängeln, als erster starten und dann aber alle anderen Fahrradfahrer zur Weißglut treiben, indem man den ganzen Verkehr mit einem Schneckentempo aufhalte?? Oder einfach mal am Rand vor sich hin radeln, anstelle als King of the Road in der Mitte und die anderen dumm anschnauzen, wenn die hinter einem klingeln und mich damit erschrecken, nur weil sie überholen wollen. Witzig dagegen sind die Möchtegerns. Die, die ein teures Fahrrad, evtl. sogar E-Bike, haben und dazu die passende Pampersradlerhose. Dazu die Ortlieb-Gepäckträgertasche, Fahrradschuhe, die natürlich in die Pedale einrasten, ein fancy Fahrradhelm und die Vaude-Gamaschen. Ja, aber dann mit 10km/h durch die Gegend tuckern. Die sind einfach lächerlich. Das sind die, die sich auch darüber streiten würden, ob eine Kanzel aus Fiberglas sein darf, oder ob es massives Zedernholz aus Israel sein muss. Um es mal zu überspitzen...
Was mich aber am meisten aufregt, also wirklich ankotzt und das, warüber ich mich ohne Vorbereitung von jetzt auf gleich in Rage reden kann: Fußgänger auf Radwegen. Ich verstehe es durch und durch nicht. Wie kann man nur so verdammt blöd sein?? Die Stadt Freiburg hat wirklich ein sehr gutes Radwegnetzt (verglichen mit dem Pott, Stand 2005). Und neben jedem Radweg ist ein Fußgängerweg. Wirklich neben jedem. Absolut jedem! Fühlt man sich besser, wenn man auf dem Radweg geht? Wie kann man nur so ignorant sein? Fußgänger sind die Pest in Form von Menschen. Es gibt nicht viel, was ich so sehr hasse. Es ist einfach nur unglaublich nervig!! Noch schlimmer als eine Mücke in einer schwülen Sommernacht, wenn man nach einem verdammt scheißen Tag endlich schlafen will. Ich vermute, meine Verärgerung ist sehr lächerlich und irrational, aber ich kann nichts dagegen tun. Ich habe es versucht. Ich hasse Assis. Vor allem, wenn es sich um gehende Assis auf Radwegen handelt. Man, es tut gut, das hier mal raus zu schreiben.
Und ich gebe auch zu. Ein Grund, warum ich den Winter so viel lieber mag, als jede andere Jahreszeit ist, dass im Winter viel mehr Assis und Weicheier auf Bus und Bahn und Auto umsteigen. Endlich kann man halbwegs vernüntig fahren, endlich findet man in der Stadt einen Stellplatz, endlich ist man nur von den gleichen harten Zeitgenossen umgeben und ja, endlich schwitzt man nicht schon nach einer Minute fahren, sondern erst nach sieben bis zehn Minuten, nachdem man es endlich geschafft hat, sich aufzuwärmen.
Selbst der Schnee ist hier kein Problem. Entweder ist man so früh unterwegs, dass man den Neuschnee erwischt, worauf man relativ gut fahren kann, oder der Radweg wurde schon geräumt. Ich bin ganz offiziell ein Schisshase, was Fahren auf Schnee und bei Glätte angeht, aber hier ist das wirklich gut machbar. Selbst für Schisshasen. Das hat die Stadt Freiburg meiner Meinung sehr gut im Griff! Und was kann man mehr von einer Stadt erwarten? Sie kann nichts gegen asoziale Assis machen, noch kann sie uns nicht zur Helmpflicht zwingen, also selber schuld, falls was passiert, aber sie kann Radwege einrichten und sie in Ordnung halten. Zumindest bei Schnee. Im Sommer legen andauernd Glasscherben rum. Leider kann die Stadt nicht jeden Tag die Radwege säubern. Das verstehe ich, aber macht mich aber nur wütender auf Assis. Wieso kann man seinen Müll nicht wegräumen, sondern muss unbedingt die Flasche auf der Straße oder auf dem Radweg zerbrechen?? Tja, Dummheit ist wirklich unendlich.
Wow. Und ich merke gerade, wie lang dieser Post geworden ist. Und eigentlich war es mehr ein geistiges Erbrechen auf Assis, als eine objektive Betrachtung der Radfahrrersituation in Freiburg. Oh, eines muss ich aber noch erwähnen. Etwas anderes, was mich letztens sehr positiv überrascht hat: ich bin letztens mit dem Zug in den Urlaub. Eigentlich war geplant mit der StraBa zum Bahnhof zu fahren. Ich habe es aber natürlich geschafft zu verschlafen, was darauf hinauslief, dass ich mit dem Fahrrad zum Bahnhof düsen musste, weil ich sonst den Zug verpasst hätte. Deshalb stand mein Schatz von Fahrrad, ohne das ich ausgesprochen aufheschnissen bin, eine ganze Woche lang unbeaufsichtigt am Freiburger Bahnhof. Mitten in den Schul- und Semesterferien, in denen lauter junge Menschen vor Langeweile auf dumme Gedanken kommen können. Aber als ich zurück kam, stand Madita da, als hätte ich sie erst vor einer halben Stunde da abgestellt. Noch nicht mal die Ventile wurden geklaut! Damit hatte ich echt nicht gerechnet. Von daher muss ich fairerweise noch sagen: Danke, liebe Assis, dass ihr bis jetzt mein Fahhrad in Ruhe gelassen habt. Das muss man euch echt lassen. Auch wenn ihr dringendst an eurem Verhalten auf Arbeit und im Straßenverkehr arbeiten müsst.
Offensichtlich gibt es doch noch Hoffnung!
30. Juli 2013
10-maliges Kinojubiläum! Chacka!
01. Transformers
02. Selbst ist die Braut
03. Die Legende von Aang
04. Robin Hood
05. Die Chroniken von Narnia - Die Reise auf der Morgenröte
06. Meine Frau, unsere Kinder und ich
07. The King´s Speech
08. Francesco und der Papst
09. Die Thomaner
10. Kindsköpfe 2
Ha! Ich habe es geschafft! Ich habe es in sechs Jahren doch tatsächlich geschafft zehn mal ins Kino zu gehen! Und den Ausdruck "10-maliges Kinojubiläum" habe ich soeben erfunden. Ich weiß nicht, ob es das wirklich gibt.
Und okay, an sich ist es eher eine böse Quote für ein superchristliches Mädchen aus einem überbehüteten Elternhaus. Ich muss aber auch dazu sagen, dass ich mit 18,5 Jahren zum ersten Mal im Kino war. Da habe ich schon zwei Jahre nicht mehr bei meinen Eltern gewohnt. Und meine Freunde sind ganz offensichtlich sehr schlechter Umgang für mich. Immerhin sind sie Schuld, dass ich so heidnischen Genüssen fröne.
Vielleicht ist die Strafe dafür, dass ich Film 3 bis 6 jetzt im Nachhinein bereue, weil die Gesellschaft fragwürdig war. Aber ich bin nicht ganz doof und habe es immerhin jeweils immer nach dem zweiten Besuch geschnallt und die Kerle auf den Mond geschossen. Mal mehr, mal weniger offensichtlich. Oh ja. Ich bin sehr böse.
Und ich mich bei jedem Film an das Kino und die Begleitung erinnern. Okay. Bei Film 2 weiß ich nur noch, dass meine Schwägerin und noch irgendjemand dabei war. Oder noch zwei? Das weiß ich nicht mehr genau.
Wieso merke ich mir eigentlich so einen Schwachsinn? Keine Ahnung. Jetzt werde ich wahrscheinlich auch nicht mehr drauf achten und diese Liste weiterführen. Ich habe nach Film 5 oder 6 angefangen diese Liste zu speichern, einfach weil ich neugierig war, wie lange ich wohl brauche, um zehn mal ins Kino zu kommen. Oder, ob ich es wage, zwischendurch meinen Eltern davon zu erzählen, dass ich sowas böses mache. Oder, ob sich da eine Regelmäßigkeit entwickelt, trotz Soziophobie und Angst vor Dunkelheit und so. Bis jetzt gibt es mal so gar kein Muster, um es mal aus einem mathematischen Blickwinkel zu betrachten. Ich weiß nur, dass ich den letzten Kinobesuch am meisten genossen habe. Vielleicht, weil er gerade mal eine Woche her ist, oder es mir da eher um die gemeinsam verbrachte Zeit mit meinen Freunden ging, als um den Film selber. An den ersten Besuch kann ich mich auch noch sehr gut erinnern. Es war eben das erste Mal. Den Film fand ich zwar nur unterhaltend und ohne tieferen Sinn, aber naja, es war schon aufregend, etwas verbotenens zu tun... ;)
Trotzdem finde ich Filmabende zuhause und bei Freunden sehr viel angenehmer. Selbst wenn die Filme nur auf einem kleinen Laptopbildschirm laufen und ohne Dolby-Surround-System und anderen Schnickschnack. Es ist eben vertrauter und fühlt sich sicherer an. Und auf dem Boden liegen oder sich in die Lieblingskuscheldecke einzumurmeln ist einfach sehr viel besser als Kinosessel, so bequem sie auch sein mögen. Und wenn das dann noch in stundenlanges und tiefschürfendes Geplauder ausartet ist es ein gelungener Abend.
Und ich musste auch immer wieder feststellen, dass ich Bücher trotzdem eindeutig bevorzuge. Auch wenn manchmal so hirnunanstrengende Berieselung entspannend sein.Auch muss ich zugeben, dass ich in letzter Zeit oft zu faul bin um mir den Buch-Luxus zu gönnen und dann doch irgendwo noch einen Film finde. Nimm dir also kein Vorbild an mir!
Eigentlich wollte ich auch über etwas ganz anderes schreiben. Aber dann erinnerte ich mich an diese Liste. Das war das der perfekte Zeitpunkt dafür. Ich hoffe auch wirklich, dass ich in nächster Zeit öfter mal meinen innerern Schweinehund überwinden kann und mich hinsetzte und wieder anfange zu schreiben. Aber ich mache lieber keine Versprechungen. Für so unüberlegte Taten kenne ich mich dann doch zu gut.
Ich vermute, ich bin genauso gespannt, wie du, wann der nächste Post online ist. Fürs erste reichts mir aber. Immerhin habe ich es aber geschafft! Chacka!
02. Selbst ist die Braut
03. Die Legende von Aang
04. Robin Hood
05. Die Chroniken von Narnia - Die Reise auf der Morgenröte
06. Meine Frau, unsere Kinder und ich
07. The King´s Speech
08. Francesco und der Papst
09. Die Thomaner
10. Kindsköpfe 2
Ha! Ich habe es geschafft! Ich habe es in sechs Jahren doch tatsächlich geschafft zehn mal ins Kino zu gehen! Und den Ausdruck "10-maliges Kinojubiläum" habe ich soeben erfunden. Ich weiß nicht, ob es das wirklich gibt.
Und okay, an sich ist es eher eine böse Quote für ein superchristliches Mädchen aus einem überbehüteten Elternhaus. Ich muss aber auch dazu sagen, dass ich mit 18,5 Jahren zum ersten Mal im Kino war. Da habe ich schon zwei Jahre nicht mehr bei meinen Eltern gewohnt. Und meine Freunde sind ganz offensichtlich sehr schlechter Umgang für mich. Immerhin sind sie Schuld, dass ich so heidnischen Genüssen fröne.
Vielleicht ist die Strafe dafür, dass ich Film 3 bis 6 jetzt im Nachhinein bereue, weil die Gesellschaft fragwürdig war. Aber ich bin nicht ganz doof und habe es immerhin jeweils immer nach dem zweiten Besuch geschnallt und die Kerle auf den Mond geschossen. Mal mehr, mal weniger offensichtlich. Oh ja. Ich bin sehr böse.
Und ich mich bei jedem Film an das Kino und die Begleitung erinnern. Okay. Bei Film 2 weiß ich nur noch, dass meine Schwägerin und noch irgendjemand dabei war. Oder noch zwei? Das weiß ich nicht mehr genau.
Wieso merke ich mir eigentlich so einen Schwachsinn? Keine Ahnung. Jetzt werde ich wahrscheinlich auch nicht mehr drauf achten und diese Liste weiterführen. Ich habe nach Film 5 oder 6 angefangen diese Liste zu speichern, einfach weil ich neugierig war, wie lange ich wohl brauche, um zehn mal ins Kino zu kommen. Oder, ob ich es wage, zwischendurch meinen Eltern davon zu erzählen, dass ich sowas böses mache. Oder, ob sich da eine Regelmäßigkeit entwickelt, trotz Soziophobie und Angst vor Dunkelheit und so. Bis jetzt gibt es mal so gar kein Muster, um es mal aus einem mathematischen Blickwinkel zu betrachten. Ich weiß nur, dass ich den letzten Kinobesuch am meisten genossen habe. Vielleicht, weil er gerade mal eine Woche her ist, oder es mir da eher um die gemeinsam verbrachte Zeit mit meinen Freunden ging, als um den Film selber. An den ersten Besuch kann ich mich auch noch sehr gut erinnern. Es war eben das erste Mal. Den Film fand ich zwar nur unterhaltend und ohne tieferen Sinn, aber naja, es war schon aufregend, etwas verbotenens zu tun... ;)
Trotzdem finde ich Filmabende zuhause und bei Freunden sehr viel angenehmer. Selbst wenn die Filme nur auf einem kleinen Laptopbildschirm laufen und ohne Dolby-Surround-System und anderen Schnickschnack. Es ist eben vertrauter und fühlt sich sicherer an. Und auf dem Boden liegen oder sich in die Lieblingskuscheldecke einzumurmeln ist einfach sehr viel besser als Kinosessel, so bequem sie auch sein mögen. Und wenn das dann noch in stundenlanges und tiefschürfendes Geplauder ausartet ist es ein gelungener Abend.
Und ich musste auch immer wieder feststellen, dass ich Bücher trotzdem eindeutig bevorzuge. Auch wenn manchmal so hirnunanstrengende Berieselung entspannend sein.Auch muss ich zugeben, dass ich in letzter Zeit oft zu faul bin um mir den Buch-Luxus zu gönnen und dann doch irgendwo noch einen Film finde. Nimm dir also kein Vorbild an mir!
Eigentlich wollte ich auch über etwas ganz anderes schreiben. Aber dann erinnerte ich mich an diese Liste. Das war das der perfekte Zeitpunkt dafür. Ich hoffe auch wirklich, dass ich in nächster Zeit öfter mal meinen innerern Schweinehund überwinden kann und mich hinsetzte und wieder anfange zu schreiben. Aber ich mache lieber keine Versprechungen. Für so unüberlegte Taten kenne ich mich dann doch zu gut.
Ich vermute, ich bin genauso gespannt, wie du, wann der nächste Post online ist. Fürs erste reichts mir aber. Immerhin habe ich es aber geschafft! Chacka!
6. Mai 2012
Bach und ich
Ich habe ja echt lange nichts mehr gepostet. Jetzt wirds mal wieder Zeit. Bei der Gelegenheit macht sich ein neues Design auch nicht schlecht. Und vielleicht schaffe ich es in Zukunft ja öfter zu bloggen. Vielleicht bleibts auch dabei.
Aber das muss ich jetzt mal loswerden. Und ja. Es geht schon wieder um Bach.
Meine Beziehung zu Bach ist irgendwie sehr komplex und lang. Und irgendwie fällt mir der Anfang gerade nicht leicht. Es gibt so viel, was in meinem Kopf zu dem Thema rumschwirrt und das in Worte zu fassen, ist gerade nicht ganz leicht. Aber das ist ja ein altbekanntes Problem von mir.
Bisher habe ich bei dieser Leidenschaft eher Einsteins Rat befolgt. Er meinte einmal: "Was ich zu Bachs Lebenswerk zu sagen habe: Hören, spielen, lieben, verehren und - das Maul halten!"
Was so einige andere (siehe Verlinkung) nicht davon abgehalten hat, ihren Meinung kund zu tun und eben nicht das Maul zu halten.
Langsam kann ich das aber auch nachvollziehen. In letzter Zeit merke ich immer mehr, wie sehr reden wirklich hilft. Einfach mal die Gedanken aus dem Kopf lassen und irgendwie rauslassen. Und wenn es nur Tagebuch schreiben ist und es niemand je zu Gesicht bekommen wird. Aber wenn man die loswird, auf welche Art auch immer, fällt es einem leichter das Ganze distanzierter zu betrachten und ganz andere Möglichkeiten und Lösungswege zu betrachten und in Erwägung zu ziehen. Also, so geht es mir zumindest. Und das fühlt sich gut an. Irgendwie befreiend. Obwohl ich das nie gedacht hätte. Früher habe ich mich sogar dagegen gewehrt. Es hat nie jemand erfahren, was wirklich in mir vorgeht, was ich wirklich denke und fühle. Selbst mein Tagebuch nicht so wirklich. Und irgendwann habe ich gemerkt, wenn ich nicht so langsam mit ein paar Sachen rausrücke, drehe ich durch. Dann habe ich ganz langsam angefangen zu reden, also wirklich zu reden, und im Rückblick merke ich, wieviel sich bei mir getan hat. Selbst wenn das nichts an der Vergangenheit ändert, manchmal ändert sich durchs Reden der Blickwinkel. Man merkt auf einmal, was warum so einen Einfluss auf einen hat, oder warum man auf manche Sachen reagiert, wie man eben reagiert, oder was auch immer. Und wenn ich jetzt mal über längere Zeit niemandem zum Reden habe, merke ich das.
Ich schweife ab.
Eigentlich will ich immer noch über meine Bach-Faszination reden. Oder schreiben, wenn man es genau nimmt.
Ich wurde letztens eben wieder gefragt, warum ich Bach so toll finde. Werde ich andauernd. Immer wenn ich diese Frage gestellt bekomme, fängt mein Gehirn an sich vollkommen zu entfalten und aus jeder kleinsten Ecke stürzen auf einmal die beklopptesten Argumente in mein Bewusstsein, dass daraufhin einfach überläuft und explodiert.
Alles, was ich dann noch rausbekomme, ist sowas wie: "Weil Bach einfach der coolste war."
Hä?!?
Was besseres fällt mir dann aber wirklich nicht mehr ein. Deswegen versuche ich jetzt einfach mal mich in aller Ruhe mit dieser Frage auseinander zu setzten. Damit meine Bewunderung vielleicht ein Stück weit nachvollziehbarer wird. Ich mein, alterstypisch ist es ja ganz und gar nicht. Und viele mögen Klassik schlicht und einfach nicht. Was ich aber auch ein bisschen verstehen kann. Wenn ich da so an meine Schulzeit denke und an die Unterrichtsstunden in Musik, kann ich sehr gut verstehen, dass viele mit Klassik langweilige und verstaubte Musik verbinden. Ich mein, ich kann bis heute nicht mehr Smetanas Moldau hören ohne die Krätze zu bekommen. Es ist durchaus ein tonmalerisches Meisterwerk, aber so zum Erbrechen durchgekaut, dass es mir definitiv total egal ist, wo jetzt die Stromschnellen und Bauernhochzeit zu hören sind.
Ich weiß auch gar nicht mehr so genau, wie ich auf Bach kam. In der Schule wurde Bach nur gestreift, da lag bei uns der Schwerpunkt eher auf den Komponisten der Klassik und Romantik. Barock wurde nur grob behandelt. Und wenn Barock, dann Vivaldis Vier Jahreszeiten.
Dabei ist Bach meiner Meinung nach immer noch der größte (Ba-)Rocker! Der Größte, der Genialste, der Begabteste, einfach DER Komponist aller Zeiten.
Aber was fasziniert mich so?
(Jetzt muss ich aber erst einmal klarstellen, dass ich ein Laie bin. Ich übernehme keine Haftung auf Richtigkeit und Vollständigkeit. Musik ist einfach nur mein Steckenpferd und ich liebe es neue Aspekte herauszufinden. Aber ich habe noch so unglaublich viel zu lernen, ich weiß nur einen winzig kleinen Bruchteil des Ganzen. Von daher lasse ich mich gerne berichtigen und bin offen für andere Meinungen.)
Zweifellos die Musik.
Am Barock liebe ich die Polyphonie und den Generalbass. Das finde ich total faszinierend. Wenn ich mir klassische oder romantische Werke reinziehe, fehlt mir da immer was.
Ich war letztens auf einem Konzert und habe mir Mendelssohns Elias angehört. Es ist ohne Frage ein Meisterwerk. Die Texte, die Musik, die einfach perfekt dazu passt, einfach unglaublich. Das hat mich dazu angeregt, ganz anders über den biblischen Elia nachzudenken. In den GoDis, in denen überhaupt mal über Elia gepredigt wurde, lag die Betonung immer nur auf seinem großartigen Glauben und wie er doch mit den 400 Baalspristern umgegangen ist und wie er mal so eben den Regen abbestellt und dann wieder hergebracht hat. Aber die menschliche Seite von ihm, wurde ganz oft einfach weggelassen oder nur ganz kurz am Rande erwähnt. Dass er auch nur ein Mensch, mit Ängsten und Schwächen war, passt irgendwie nicht so ganz in das Bild eines superheiligen Propheten. Aber auf genau diese Depression geht Mendelssohn ein. Und wenn ich diese Tatsache im Hinterkopf habe, wächst in mir der Respekt vor Elia und vor allem vor Gottes Wirken. Wie er so einen, naja, schon fast Selbstmordkandidaten dazu gebrauchen kann einem ganzen Volk zu helfen.
Okay. Ich schweife wieder ab. Ich war eigentlich bei dem musikalischen Aspekt. Ich will damit sagen, Mendelssohns Werk an sich ist ganz große Klasse, aber irgendwie hat mir die ganze Zeit was gefehlt. So das Sahnehäubchen. Das gewisse Etwas. Bei dem darauffolgenden Konzert, das ich besuchte, wurde unter anderem Bach Motette "Singet dem Herrn ein neues Lied" (BWV 225) gesungen. Mit einem Knabenchor und Orgel und Kontrabass als Continuo. Da fiel es mir zum ersten Mal bewusst auf. Der Continuo fehlte. An sich ist das ja einfach nur die harmomische Begleitung, das tiefe Grundgerüst, typisch für Barockmusik. Aber die kann so unglaublich viel ausmachen. Vor allem, wenn man so auf Tiefe und Bass steht, wie ich. Ich will den ganzen Klassikern und Romantikern ihr musikalisches Können gar nicht abstreiten, aber mir fehlt da immer was. Zwischendurch höre ich auch ganz gerne mal Klassik oder Romantik, vor allem Brahms Requiem oder Haydns Symphonien, aber ich mag eindeutig Barock lieber.
Außer dem Continuo ist die Polyphonie auch typisch barock. Im Wesentlichen bezeichnet Polyphonie eine Art von Mehrstimmigkeit, bei der die einzelnen Stimmen unabhängig, gleichwertig und selbstständig sind. Das finde ich total faszinierend. Man kann sich dabei ein Stück zehnmal nacheinander anhören und jedes Mal fällt einem etwas neues auf, etwas, was man vorher noch nicht gehört hat, weil man sich auf etwas anderes konzentriert hat. Dadurch bekommt ein Stück eine Vielschichtigkeit, die einfach nicht langweilig wird.
Bei klassischer Musik habe ich meistens eher das Gefühl, als ob die Melodie zwischen den einzelnen Instrumenten verteilt wird und wer sie gerade nicht hat, der begleitet eben. Und die Melodie haben eben ganz oft die Geigen...
Okay. Jetzt wäre so ungefähr geklärt, warum ich Barock mag, aber warum gerade Bach? Warum nicht Vivaldi mit seinen echt guten Cellokonzerten, oder Händel mit seinen genialen Oratorien?
Wenn ich jetzt so darüber nachdenke, glaube ich, dass ich bei dieser Vorliebe nicht ganz unvoreingenommen war und bin. Zugegebenermaßen.
Also, beim Instrumentalunterricht und im Orchester kam ich kaum in Berührung mit Bach und Barock allgemein. Da haben wir eher klassisches Zeugs gespielt. Im Schulunterricht ebenso. Erst als ich mit 14/15 endlich auch Klavierunterricht hatte, habe ich angefangen Bach zu spielen. Das lag aber an meiner Klavierlehrerin, die auch ein Bachfreak war. Aber zu dem Zeitpunkt hatte ich mich schon längst in Bach verliebt, was meiner Klavierlehrerin offensichtlich sehr gelegen kam.
Wie kam ich also zu Bach? Wie gesagt, ich weiß es nicht mehr so genau. Ich kann mich daran erinnern, dass ich mal zu Besuch bei Freunden war, deren ganze Familie musikalisch war. Bei einem der Kinder stand so eine Bach-Büste in der Vitrine. Das war wahrscheinlich der Grundstein. Daraufhin habe ich angefangen mich mit dem Menschen Bach zu beschäftigen. An die Musik kam ich nicht so gut dran. Damals war das Internet noch nicht so verbreitet und youtube kannte kein Mensch. Und für neue CDs reichte mein Geld nur ab und zu, der Großteil ging eher für Bücher drauf. Aber in die Schulbücherein kam ich. Und somit auch an genügend Biographien.
Das hatte zweierlei Auswirkungen auf mich. Zum einen hat Bachs Leben mich zu dem Zeitpunkt sehr viel mehr fasziniert, als seine Musik, von der ich ja ohnehin noch nicht allzuviel gehört hat. Erst dadurch habe ich seine Musik schätzen und lieben gelernt. Zum anderen entdeckte ich dabei meine Vorliebe für Biographien allgemein. Und das, was mir mit Bach passiert ist, wiederholte sich bei so manch anderen Musikern, wie zum Beispiel Brian Head Welch, David Pierce mit No Longer Music, Larry Norman und vor allem Keith Green. Ohne deren Biographien zu kennen, würde ich mir keinen von denen anhören. Und seit dem gucke ich fast immer auch, welche Menschen sich hinter der Musik verbergen, die ich so höre. Diese Verhaltensweise habe ich fast überall angewendet. Menschen verhalten sich nicht aus Spaß so. Jeder hat eine Geschichte. Jeder hat Kämpfe ausgestanden. Jeder hat so sein Paket zu tragen. Ich will mich davor hüten meine Mitmenschen zu schnell zu verurteilen, nur weil ich sie nicht verstehen kann. Aber das nur so nebenbei.
Aber das muss ich jetzt mal loswerden. Und ja. Es geht schon wieder um Bach.
Meine Beziehung zu Bach ist irgendwie sehr komplex und lang. Und irgendwie fällt mir der Anfang gerade nicht leicht. Es gibt so viel, was in meinem Kopf zu dem Thema rumschwirrt und das in Worte zu fassen, ist gerade nicht ganz leicht. Aber das ist ja ein altbekanntes Problem von mir.
Bisher habe ich bei dieser Leidenschaft eher Einsteins Rat befolgt. Er meinte einmal: "Was ich zu Bachs Lebenswerk zu sagen habe: Hören, spielen, lieben, verehren und - das Maul halten!"
Was so einige andere (siehe Verlinkung) nicht davon abgehalten hat, ihren Meinung kund zu tun und eben nicht das Maul zu halten.
Langsam kann ich das aber auch nachvollziehen. In letzter Zeit merke ich immer mehr, wie sehr reden wirklich hilft. Einfach mal die Gedanken aus dem Kopf lassen und irgendwie rauslassen. Und wenn es nur Tagebuch schreiben ist und es niemand je zu Gesicht bekommen wird. Aber wenn man die loswird, auf welche Art auch immer, fällt es einem leichter das Ganze distanzierter zu betrachten und ganz andere Möglichkeiten und Lösungswege zu betrachten und in Erwägung zu ziehen. Also, so geht es mir zumindest. Und das fühlt sich gut an. Irgendwie befreiend. Obwohl ich das nie gedacht hätte. Früher habe ich mich sogar dagegen gewehrt. Es hat nie jemand erfahren, was wirklich in mir vorgeht, was ich wirklich denke und fühle. Selbst mein Tagebuch nicht so wirklich. Und irgendwann habe ich gemerkt, wenn ich nicht so langsam mit ein paar Sachen rausrücke, drehe ich durch. Dann habe ich ganz langsam angefangen zu reden, also wirklich zu reden, und im Rückblick merke ich, wieviel sich bei mir getan hat. Selbst wenn das nichts an der Vergangenheit ändert, manchmal ändert sich durchs Reden der Blickwinkel. Man merkt auf einmal, was warum so einen Einfluss auf einen hat, oder warum man auf manche Sachen reagiert, wie man eben reagiert, oder was auch immer. Und wenn ich jetzt mal über längere Zeit niemandem zum Reden habe, merke ich das.
Ich schweife ab.
Eigentlich will ich immer noch über meine Bach-Faszination reden. Oder schreiben, wenn man es genau nimmt.
Ich wurde letztens eben wieder gefragt, warum ich Bach so toll finde. Werde ich andauernd. Immer wenn ich diese Frage gestellt bekomme, fängt mein Gehirn an sich vollkommen zu entfalten und aus jeder kleinsten Ecke stürzen auf einmal die beklopptesten Argumente in mein Bewusstsein, dass daraufhin einfach überläuft und explodiert.
Alles, was ich dann noch rausbekomme, ist sowas wie: "Weil Bach einfach der coolste war."
Hä?!?
Was besseres fällt mir dann aber wirklich nicht mehr ein. Deswegen versuche ich jetzt einfach mal mich in aller Ruhe mit dieser Frage auseinander zu setzten. Damit meine Bewunderung vielleicht ein Stück weit nachvollziehbarer wird. Ich mein, alterstypisch ist es ja ganz und gar nicht. Und viele mögen Klassik schlicht und einfach nicht. Was ich aber auch ein bisschen verstehen kann. Wenn ich da so an meine Schulzeit denke und an die Unterrichtsstunden in Musik, kann ich sehr gut verstehen, dass viele mit Klassik langweilige und verstaubte Musik verbinden. Ich mein, ich kann bis heute nicht mehr Smetanas Moldau hören ohne die Krätze zu bekommen. Es ist durchaus ein tonmalerisches Meisterwerk, aber so zum Erbrechen durchgekaut, dass es mir definitiv total egal ist, wo jetzt die Stromschnellen und Bauernhochzeit zu hören sind.
Ich weiß auch gar nicht mehr so genau, wie ich auf Bach kam. In der Schule wurde Bach nur gestreift, da lag bei uns der Schwerpunkt eher auf den Komponisten der Klassik und Romantik. Barock wurde nur grob behandelt. Und wenn Barock, dann Vivaldis Vier Jahreszeiten.
Dabei ist Bach meiner Meinung nach immer noch der größte (Ba-)Rocker! Der Größte, der Genialste, der Begabteste, einfach DER Komponist aller Zeiten.
Aber was fasziniert mich so?
(Jetzt muss ich aber erst einmal klarstellen, dass ich ein Laie bin. Ich übernehme keine Haftung auf Richtigkeit und Vollständigkeit. Musik ist einfach nur mein Steckenpferd und ich liebe es neue Aspekte herauszufinden. Aber ich habe noch so unglaublich viel zu lernen, ich weiß nur einen winzig kleinen Bruchteil des Ganzen. Von daher lasse ich mich gerne berichtigen und bin offen für andere Meinungen.)
Zweifellos die Musik.
Am Barock liebe ich die Polyphonie und den Generalbass. Das finde ich total faszinierend. Wenn ich mir klassische oder romantische Werke reinziehe, fehlt mir da immer was.
Ich war letztens auf einem Konzert und habe mir Mendelssohns Elias angehört. Es ist ohne Frage ein Meisterwerk. Die Texte, die Musik, die einfach perfekt dazu passt, einfach unglaublich. Das hat mich dazu angeregt, ganz anders über den biblischen Elia nachzudenken. In den GoDis, in denen überhaupt mal über Elia gepredigt wurde, lag die Betonung immer nur auf seinem großartigen Glauben und wie er doch mit den 400 Baalspristern umgegangen ist und wie er mal so eben den Regen abbestellt und dann wieder hergebracht hat. Aber die menschliche Seite von ihm, wurde ganz oft einfach weggelassen oder nur ganz kurz am Rande erwähnt. Dass er auch nur ein Mensch, mit Ängsten und Schwächen war, passt irgendwie nicht so ganz in das Bild eines superheiligen Propheten. Aber auf genau diese Depression geht Mendelssohn ein. Und wenn ich diese Tatsache im Hinterkopf habe, wächst in mir der Respekt vor Elia und vor allem vor Gottes Wirken. Wie er so einen, naja, schon fast Selbstmordkandidaten dazu gebrauchen kann einem ganzen Volk zu helfen.
Okay. Ich schweife wieder ab. Ich war eigentlich bei dem musikalischen Aspekt. Ich will damit sagen, Mendelssohns Werk an sich ist ganz große Klasse, aber irgendwie hat mir die ganze Zeit was gefehlt. So das Sahnehäubchen. Das gewisse Etwas. Bei dem darauffolgenden Konzert, das ich besuchte, wurde unter anderem Bach Motette "Singet dem Herrn ein neues Lied" (BWV 225) gesungen. Mit einem Knabenchor und Orgel und Kontrabass als Continuo. Da fiel es mir zum ersten Mal bewusst auf. Der Continuo fehlte. An sich ist das ja einfach nur die harmomische Begleitung, das tiefe Grundgerüst, typisch für Barockmusik. Aber die kann so unglaublich viel ausmachen. Vor allem, wenn man so auf Tiefe und Bass steht, wie ich. Ich will den ganzen Klassikern und Romantikern ihr musikalisches Können gar nicht abstreiten, aber mir fehlt da immer was. Zwischendurch höre ich auch ganz gerne mal Klassik oder Romantik, vor allem Brahms Requiem oder Haydns Symphonien, aber ich mag eindeutig Barock lieber.
Außer dem Continuo ist die Polyphonie auch typisch barock. Im Wesentlichen bezeichnet Polyphonie eine Art von Mehrstimmigkeit, bei der die einzelnen Stimmen unabhängig, gleichwertig und selbstständig sind. Das finde ich total faszinierend. Man kann sich dabei ein Stück zehnmal nacheinander anhören und jedes Mal fällt einem etwas neues auf, etwas, was man vorher noch nicht gehört hat, weil man sich auf etwas anderes konzentriert hat. Dadurch bekommt ein Stück eine Vielschichtigkeit, die einfach nicht langweilig wird.
Bei klassischer Musik habe ich meistens eher das Gefühl, als ob die Melodie zwischen den einzelnen Instrumenten verteilt wird und wer sie gerade nicht hat, der begleitet eben. Und die Melodie haben eben ganz oft die Geigen...
Okay. Jetzt wäre so ungefähr geklärt, warum ich Barock mag, aber warum gerade Bach? Warum nicht Vivaldi mit seinen echt guten Cellokonzerten, oder Händel mit seinen genialen Oratorien?
Wenn ich jetzt so darüber nachdenke, glaube ich, dass ich bei dieser Vorliebe nicht ganz unvoreingenommen war und bin. Zugegebenermaßen.
Also, beim Instrumentalunterricht und im Orchester kam ich kaum in Berührung mit Bach und Barock allgemein. Da haben wir eher klassisches Zeugs gespielt. Im Schulunterricht ebenso. Erst als ich mit 14/15 endlich auch Klavierunterricht hatte, habe ich angefangen Bach zu spielen. Das lag aber an meiner Klavierlehrerin, die auch ein Bachfreak war. Aber zu dem Zeitpunkt hatte ich mich schon längst in Bach verliebt, was meiner Klavierlehrerin offensichtlich sehr gelegen kam.
Wie kam ich also zu Bach? Wie gesagt, ich weiß es nicht mehr so genau. Ich kann mich daran erinnern, dass ich mal zu Besuch bei Freunden war, deren ganze Familie musikalisch war. Bei einem der Kinder stand so eine Bach-Büste in der Vitrine. Das war wahrscheinlich der Grundstein. Daraufhin habe ich angefangen mich mit dem Menschen Bach zu beschäftigen. An die Musik kam ich nicht so gut dran. Damals war das Internet noch nicht so verbreitet und youtube kannte kein Mensch. Und für neue CDs reichte mein Geld nur ab und zu, der Großteil ging eher für Bücher drauf. Aber in die Schulbücherein kam ich. Und somit auch an genügend Biographien.
Das hatte zweierlei Auswirkungen auf mich. Zum einen hat Bachs Leben mich zu dem Zeitpunkt sehr viel mehr fasziniert, als seine Musik, von der ich ja ohnehin noch nicht allzuviel gehört hat. Erst dadurch habe ich seine Musik schätzen und lieben gelernt. Zum anderen entdeckte ich dabei meine Vorliebe für Biographien allgemein. Und das, was mir mit Bach passiert ist, wiederholte sich bei so manch anderen Musikern, wie zum Beispiel Brian Head Welch, David Pierce mit No Longer Music, Larry Norman und vor allem Keith Green. Ohne deren Biographien zu kennen, würde ich mir keinen von denen anhören. Und seit dem gucke ich fast immer auch, welche Menschen sich hinter der Musik verbergen, die ich so höre. Diese Verhaltensweise habe ich fast überall angewendet. Menschen verhalten sich nicht aus Spaß so. Jeder hat eine Geschichte. Jeder hat Kämpfe ausgestanden. Jeder hat so sein Paket zu tragen. Ich will mich davor hüten meine Mitmenschen zu schnell zu verurteilen, nur weil ich sie nicht verstehen kann. Aber das nur so nebenbei.
Zurück zu Bach. Bach war unglaublich begabt. Trotzdem war er nicht faul. Er kannte seine Begabungen und seine Schwächen. Er hat mit ihnen gearbeitet, sie weiterentwickelt, sein Bestes gegeben. Er sagt selber, dass er sehr fleißig sein musste, um das alles erreichen zu können. Er hatte keinen perfekten Lebenslauf, hatte mit allerhand Schwierigkeiten zu kämpfen, angefangen mit faulen, unbegabten Schülern bis zu dickköpfigen und kreativitätshemmenden Vorgesetzten. Zu Lebzeiten wurden sein Schaffen und Wirken noch nicht mal wirklich anerkannt. Als Orgelvirituose und -spezialist war er sehr wohl bekannt und geschätzt, aber nie als Komponist, auch wenn er ein beachtliches Werk hinterlassen hat. Erst fast achzig Jahre nach seinem Tod kam langsam der Komponist Bach ins Bewusstsein der Allgemeinheit. Aber davon hat er sich nicht aufhalten lassen. Er komponiert weiter, bildete sich weiter, ernährte eine Großfamilie, gab sein Wissen an seine Kinder und Schüler weiter. Dabei zeigte er ungeheure Energie und Kreativität.
Aber das, was mich wirklich beeindruckt hat ist, wie Bach mit Leid umgegangen ist. Habe letztens ein Buch darüber gelesen. "Überlebenskunst" von Luise Reddemann. Sehr empfehlenswert. Davor wusste ich das alles zwar auch schon, aber mir war es noch nie so bewusst. Bach hat echt unglaublich viel Leid erlebt. Ich weiß nicht genau, wie man früher mit Leid und Tod umgegangen ist. Es war wahrscheinlich anders als heute, vor allem weil der Tod gegenwärtiger war und nicht tabutisiert wurde. Trotzdem glaube ich nicht, dass das alles spurlos an den Menschen vorbeigegangen ist. Vor allem nicht, wenn man mit neun Jahren Halbweise wird und ein Jahr später Vollwaise. Oder wenn man als 35-Jähriger mit dem Chef auf eine Kur fährt und bei der Rückkehr erfahren muss, dass die eigene Frau, mit der man 13 Jahre glücklich verheiratet war, überraschend gestorben ist und schon begraben wurde und man auf einmal mit vier kleinen Kindern alleine da steht. Oder dass man erleben muss, wie von den zwanzig Kindern elf sterben. Damit wird man nicht mal eben fertig, auch wenn man vielleicht eher damit rechnet.
Ich glaube, er hat sehr viel von seiner Trauer in und mit Hilfe der Musik verarbeitet. Dass er ein unerschütterliches Gottvertrauen hatte, half ihm mit Sicherheit. Er sah sich immer als ein Diener Gottes, wovon letztendlich nicht nur seine "SDG"-Unterschrift, seine "Soli Deo Gloria"-Unterschrift, unter fast all seinen Werken zeugt. Er komponierte immer zu Gottes Ehren. Selbst seine weltlichen Werken.
Ich weiß nicht, wie es anderen dabei geht, aber mir flößt das unheimlichen Respekt vor dem Menschen Bach ein. Selbst, wenn er dabei noch nicht einmal so ein großartiger Komponist gewesen wäre. Das kommt dann aber noch dazu.
Ja, ich liebe seine Musik nicht nur um der Musik willen, sondern auch um Bachs willen. Manchmal denke ich, was ich doch für ein einfaches und problemloses Leben im Vergleich zu ihm habe. Und wie gut es mir dabei geht.
Aber vielleicht auch gerade weil ich das alles von ihm weiß, hat seine Musik so einen ungeheuren Einfluss auf mich. Ich kann ohne Zweifel sagen, dass ich ohne die Musik nicht mehr leben würde. Immer wenn ich Bach höre, geht es mir nachher einfach besser. Egal, wie schlecht es mir davor ging. Danach kann ich immer noch ein bisschen weiter machen und weiter kämpfen. Es ist einfach die Droge schlechthin. Als Musikerin bin ich sowieso total auf Musik gepolt, egal welche. Ich kann auch gut Heavy Metal, Pop oder Rock oder sonst was hören. (Okay, alles außer Techno und Hip Hop). Aber Bach ist einfach so einzigartig, so vielseitig, so unglaublich tröstend und ermutigend. Aus seiner Musik kann ich so viel Kraft schöpfen und sie gleichzeitig auch noch genießen und bewundern. Und bei jedem hören fällt mir was neues auf, was Spannendes, eine ganz neue Seite. Ich weiß auch gar nicht, wie ich das anders beschreiben soll. Und seit dem mir das bewusst ist, kann ich das auch gezielt nutzen, was das Leben etwas einfacher macht.
Na toll. Jetzt artet das wieder in einen rosarotbebrillten Liebesbrief an die Musik aus. Und irgendwie habe ich gerade das Gefühl, als ob ich das sowieso gar nicht auf den Punkt bringen kann, weil es so viel zu Bachs Musik und seinen Einfluss auf mich zu sagen gibt. Und wenn ich jetzt mal so über diesen Eintrag rüberscrolle, merke ich, der ist wieder länger als geplant. Ich wusste nicht, dass ich so viel dazu zu sagen habe und doch nur einen Bruchteil losgeworden bin. Ich bin dabei noch nicht mal auf einzelne Werke eingegangen, sondern nur ganz allgemein aufs Bach Musik. Man über jedes einzelne Stück Bücher schreiben kann. Vielleicht werde ich zu einem anderen Zeitpunkt noch was loswerden. Aber jetzt werde ich es erst mal hierbei belassen. Es bleibt spannend.
Ich weiß auch, dass es nicht jeder nachvollziehen kann, will oder wird. Das macht nichts. Manch einer mag Barock einfach nicht. Anderen ist der Mensch Bach nicht wichtig. Das ist okay.
Aber das mag ich. Das prägt mich. Darauf lege ich Wert. So bin ich.
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