Ich war heute mal wieder in der Straßenbahn unterwegs. Bin ich eigentlich dauernd. Eigentlich sitze ich lieber am Bahnhof und warte auf Züge und beobachte die Menschen um mich herum.
Das ist voll interessant! Am liebsten habe ich Begrüßungsszenen. Wenn Leute lachend aufeinander zurennen und sich umarmen. Das Strahlen auf deren Gesichtern bringt einen irgendwie immer zum lächeln. Aber auch so liebe ich es Meschen zu beobachten. Egal, wo ich bin, was ich mache und wer um mich herum ist. Jeder ist so verschieden, so einzigartig, so besonders. Schon allein vom Aussehen, groß, dünn, alt, lässig. Und dann deren Gestik und Bewegungen, Eile, Lässigkeit, Freude, Gemütlichkeit. Wie gesagt, ich mag es Leute zu beobachten.
Aber heute in der Straßenbahn sind mir die Gegensätze und die Unterschiede in Menschen so richtig bewusst geworden.
In einem Vierer saß ein Ausländer, er sah einem Türken oder Albaner ähnlich. In der Ecke der Welt kenne ich mich nicht so gut aus. Ihm gegenüber saß ein Deutscher. Sie saßen in meinem Rücken, so konnte ich sie nicht so gut beobachten. Plötzlich hört man nur, wie der Ausländer sich aufregt. So von wegen: "Was guckst du? Probleme? Soll ich dich schlagen? Soll ich dich in Krankenhaus bringen?" Der Deutsche ignorierte ihn, so wie ich das mitbekommen habe, aber das fand der Ausländer garnicht gut. Der fing dann erst richtig an mit "Arschloch. Ich holen Polizei. Du Rassist. Du deutscher Rassist. Alle deutschen voll Rassist" und bla und blubb. Das übliche halt. Eine Mitfahrerin versuchte irgendwie zu vermitteln, so ganz nach dem Motto "Geh doch dorthin, wo du herkommst".
Irgendwie fand ich das amüsant. Der Mann kann kein wirkliches Deutsch, aber für Ausdrücke wie "Arschloch" oder "Rassist" war er schon lange genug in Deutschland. Irgendwie glaube ich, dass er sie schon öfter hören musste, als ihm lieb war, was ich dann doch weniger lustig fande.
Naja, irgendwann beruhigte er sich auch und stieg dann irgendwo nach mir im Freiburger Ghetto aus.
Dann kam eine andere Stimme durch. Man merkte so richtig, dass es ein sehr vergnügter und zufriedener Mann war. Er redete irgendwas davon, dass alle Menschen Menschen seien, egal, welche Hautfarbe, Nationalität und Vergangenheit. Wir sollen zusammen halten, auch wenn wir uns vielleicht nicht verstehen. Man konnte so richtig die Lebensfreude spüren.
Das hat mich neugierig gemacht. Ich habe dann die Tür in seine Richtung angesteuert. Als ich vorbei ging, meinte er zu einer jungen Mutter, die neben ihm stand: "Ich muss die nächste Haltestelle raus. Nur damit Sie es wissen."
Das brachte mich zum Schmunzeln. Man konnte wirklich die Lebendigkeit in seinen Augen sehen, während er, wie ein kleines Kind, so ganz voller Übermut auf seinem Sitz hin und her rutschte.
Er saß in einem Rollstuhl.
Fight the Devil! Yehaaa!
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